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Schaufenster Christentum: Wie wir als Christen nach dem perfekten Leben streben

Hey Ladies!!

Ich freue mich riesig, dass du wieder da bist! In den letzten zwei Wochen ist mir ein interessantes Phänomen aufgefallen, über dass ich heute schreiben möchte. Es war spannend zu beobachten, wie ganz unterschiedliche Menschen auf die letzten beiden Artikel reagiert haben. Viele haben sich darüber gefreut, dass ich mal etwas angesprochen habe, was schon lange im Verborgenen lag. Andere machten sich Sorgen, ob ich irgendwelche Nachwirkungen erfahren würde, da ich so persönlich von meinem Leben berichtet habe. Wieder andere waren erleichtert, dass sie nicht die Einzigen mit diesem Kampf waren.

Das hat mich zum Nachdenken angeregt – Stimmt eigentlich, könnte dies Folgen für mich haben? Was könnte passieren, wenn jetzt „alle“ meine ganz geheime Sünde so offenbar sehen können? Wisst ihr, zu welchem Ergebnis ich kam? Es kann mir erstmal gar nichts passieren, denn indem es ans Licht gebracht wurde, ist der Sünde die Macht genommen worden. Wie kann mich das also im Nachhinein schädigen? Gar nicht. Denn es ist kein Geheimnis mehr, dass ich mit ganzer Mühe zudecken muss. Aber dann habe ich weiter gedacht: Warum habe ich das Gefühl diese Sache so stark verstecken zu müssen?

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Photo by Norman Toth on Unsplash

In einem Gespräch, dass ich mit einer Person nach dem ersten Artikel hatte, erinnerte ich mich an ein Zitat von Jefferson Bethke – einem bekannten Poetry-Slammer und Autor: „[Die Kirche] ist nicht ein Museum für die Heiligen, es ist ein Krankenhaus für die gebrochenen.“ Eine Idealvorstellung. Aber wie oft sehen wir das verdreht? Wie oft tun wir so, als wären wir als Christen in einem perfekt inszeniertem Schaufenster. Selbst wenn wir als Christen unter uns sind, sind es oft unsere Masken die uns voneinander trennen. Der Druck wird höher, die Anstrengung größer, das vermeintlich perfekte Leben – ohne dreckige Sündenflecken – zu leben. Aber warum eigentlich? Warum setzten wir uns selbst bzw. einander gegenseitig so unter Druck?

Eigentlich sollte es doch gerade uns bewusst sein, wie sündig wir sind und wie sehr wir Jesus Gnade in unserem Leben brauchen. Deshalb entscheidet man sich schließlich in Abhängigkeit von Jesus zu leben. „Insgeheim“ wissen wir doch alle, wie oft wir schuldig werden und nicht mehr Gottes Herrlichkeit wiederspiegeln… Warum ist es dann so schwierig, dass vor einander zuzugeben?

Ein peinlicher Versuch mein Christliches Gesicht zu wahren…

Ich habe dieses Phänomen, dass Christen – wenn sie unter sich sind – meist unbewusst versuchen, sich einander von ihrer Heiligkeit zu überzeugen, schon öfters beobachtet. Ein eher witziges Beispiel habe ich erlebt, als ich mit 20 Jahren an einer Kurzbibelschule der Fackelträger war. Eines Abends wollten wir einen Filmabend machen und entschieden uns für den Film Grease, einem Kult-Musical das in den 50er Jahren spielt. Dieser Film handelte von den üblichen Highschool Themen: Liebe, Cliquen und Coolness.

An sich, ist dieser Film relativ harmlos, keine Sex-Szenen und kein Gefluche, nichts was dem üblichen Zuschauer, im Jahr 2011, die Augenbraue hochziehen lassen würde. Die meisten von uns hatten den Film schon einmal vor unseren „frommen“ Bibelschultagen gesehen. Doch als wir ihn jetzt zusammen schauten, fühlten wir uns plötzlich alle ertappt, dass wir so was „versautes“ angeschaut hatten. Ich weiß noch wie wir uns peinlich darüber austauschten, dass wir uns gar nicht mehr daran erinnert hatten, dass der Film ja so „versaut“ war! (Selbst jetzt beim Schreiben verdrehen sich meine Augen….)

Wenn ich jetzt an diese Erinnerung denke, muss ich einfach nur lachen! Was für ein Quatsch!! Aber, damals war ich auf jeden Fall dabei. Ich habe diese Gespräche geführt, dass ja niemand denke ich sei zu weltlich… Verrückt. Hätten wir uns jedoch, außerhalb dieser frommen Glocke – einfach so – für einen Mädels Abend getroffen, hätte keine Einzige von uns noch so christlichen Mädels Bedenken gehabt, diesen Film zu schauen. Aber irgendwas an dieser Kombination von wirklich wohlwollenden, frisch-ausgebildeten Christinnen, führte dazu, dass wir überdimensional versucht haben, unser christliches Gesicht zu wahren.

Jesus hat uns von Angst frei gemacht!

Es soll jetzt nicht darum gehen, was man als Christ schauen oder nicht schauen sollte. Aber ich bin mir sicher, jeder von euch kennt eine so oder so ähnliche Situation, wo man mit anderen Christen zusammen ist und das Gefühl hat, nicht mehr ehrlich sein zu können. Entweder aus Angst, vor peinlicher Betretenheit oder sogar aus Angst vor Verurteilung. Was ein trauriger zustand! In einem seinem Lied 10 Feet Down rappt NF: „Die Kirche ist wo ich Jesus fand, aber auch wo ich lernte [andere] zu richten.“ Obwohl das vielleicht eine überspritzte Aussage ist, denke ich, dass viele diese Aussage nachvollziehen können. Leute, das müssen wir ändern!

Natürlich gibt es eine gesunde Distanz und man muss nicht jeder Person sein Herz ausschütten, mit welchen Bereichen man gerade kämpft oder was einem gerade beschäftigt. Bei manchen Dingen ist es sogar weiser, unter vier Augen mit einer guten Freundin darüber zu sprechen. Wichtig ist mir nur, dass darüber gesprochen wird! Mit anderen Dingen habe ich es schon so oft erlebt, dass Gott da coole, gute, heilsame Gespräche entstehen lassen hat, wo ich es gar nicht unbedingt erwartet habe, einfach nur dadurch, dass ich mein eigenes Herz oder jemand anderes ihr Herz geöffnet hat.

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Photo by Dani Vivanco on Unsplash

Diese Momente sind besonders einzigartig, aber auch sehr zerbrechlich. Es ist schwer Menschen hinter die Kulissen schauen zu lassen, vor allem dann, wenn von vorne alles perfekt ausschaut. Deshalb plädiere ich an euch liebe Leserinnen!! Seid ehrlich mit den Menschen um euch herum. Hört damit auf, immer ein perfektes Christenbild präsentieren zu wollen und noch viel mehr, hört damit auf, euch den Druck zu machen ein perfektes Bild präsentieren zu müssen! Das macht dich authentisch und nahbar. Ich weiß nicht, aber es fällt mir viel einfacher mit einer Sache umzugehen, wenn ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin die damit Probleme hat!

Als Christinnen haben wir die aller größte Freiheit zuzugeben, dass wir immer wieder nicht perfekt sind. Denn da wo wir merken, dass wir die Perfektion immer wieder im Vorbeigehen streifen, aber sie nie völlig erreichen werden, realisieren wir, wie sehr wir auf Jesus Liebe und Vergebung  angewiesen sind. Je mehr wir diese Realität für uns persönlich annehmen, desto mehr Freiheit haben wir, unseren Soul-Sisters in Liebe und Authentizität zu begegnen und aktiv unsere perfekten Masken fallen zu lassen.

Lasst uns aufhören, der Welt vermitteln zu wollen, dass unser Leben immer glatt läuft. Lasst uns den Mut haben, uns voreinander verletzlich zu machen und zuzugeben, wie sehr wir alle Jesus brauchen.

Denn nur indem wir als Christen Lernen, zu unserer durch Jesus vergebenen Menschlichkeit zu stehen, kann unsere wahre Freiheit zur Authentizität entstehen.

Fühl dich gedrückt,

Carina

I stand out because I wear my Garbage. -NF

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