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Pornografie: Männersache, oder? Teil 2

Hey alle!!

Wow, es hat mich wirklich überwältigt, wie viele von euch den letzten Beitrag über den Kampf gegen Pornografie gelesen haben!! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, über so ein wichtiges Thema noch einmal nachzudenken. Für die, die ihn noch nicht gelesen haben, geht am besten erst nochmal zurück und lest ihn, bevor ihr diese Fortsetzung lest. Eigentlich wollte ich mit anderen Themen fortfahren, aber mir ist im Nachhinein aufgefallen, dass ich  vorausgesetzt habe, dass Pornografie schädlich ist, ohne zu erklären warum. Deshalb gibt es heute noch ein Teil 2, bevor es dann weiter geht. Hier eine kleine Vorwarnung, ich werde in diesem Rahmen wenig darüber schreiben, warum es biblisch gesehen schlecht ist denn, dass wissen die meisten christlich sozialisierten Leser schon. Heute wollte ich eher auf die wissenschaftlichen Studien eingehen die das biblische Argument untermauern.

Als ich etwas für diesen Artikel recherchiert habe, habe ich einen interessanten Ted-Talk  gefunden (siehe unten) aus dem ich einige nachfolgende Informationen gezogen habe. In diesem Talk wurde beschrieben, dass als in 2009 in USA eine Studie zu Folgen der Pornografie gemacht werden sollte, die ausführenden Wissenschaftler keine Kontroll-Gruppe aus Männern im Universitätsalter erstellen konnten, die noch keine Berührung mit Pornografie hatten. KEINE! Alle Männer in diesem Alter hatten zu dem einen oder anderen Zeitpunkt ihres Lebens bereits Kontakt mit Pornografie gehabt.

Das Problem damit, wenn alle etwas tun ist, dass dies als etwas normales empfunden wird, denn man kann kein Unterschied zur wahren Realität begreifen. Gary Wilson* sagt: „Wenn du Männer fragen würdest, ob ihr Pornokonsum einen Einfluss auf ihre Beziehung zu den Frauen in ihrem Umfeld hat, ist es ungefähr so, als würdest du ein Fisch fragen, was seine Gedanken über Wasser sind.“ Sie können gar nicht beschreiben, was sie nicht erfassen können. Obwohl dieses Zitat auf Männer gerichtet ist, glaube ich, dass es durch die steigende Anzahl der weiblichen Konsumenten, auch Frauen, in ihren Umgang mit Männern, betrifft.

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Photo by Marius Masalar on Unsplash

Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Jungs im Alter von 9 bis 11 Jahren und die meisten Mädels von 10 bis 12 Jahren zum ersten Mal mit Pornografie in Berührung kommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass jeder im Laufe seines Lebens damit in Berührung kommt oder schon gekommen ist. (In was für eine Form auch immer – digital, erotische Literatur, etc.) Warum ist Pornografie aber schlecht? Was für Folgen hat es auf unser Gehirn? Auf unsere Beziehungen? Darum soll es heute gehen.

Pornografie macht Süchtig. Aber warum?

Unser Gehirn hat ein Belohnungszentrum. Die Hauptspieler dessen sind Dopamin und Endorphine. Wenn wir Pornografie anschauen wird Dopamin ausgeschüttet. Dopamin ist ein aufputschender Stoff, der eine ähnliche Wirkung im Gehirn aufweist, wie Kokain. Mit dem Ausschütten von Dopamin wird ein anderer Stoff, nämlich DeltaFosB ausgeschüttet, welches den Hunger nach Dopamin immer mehr erhöht. (So etwa nach dem Prinzip, hol es dir, solange du noch kannst.)

Normalerweise wird dieser Hunger, durch das Ausschütten von Endorphinen, nach einem durch Sex ausgelösten, Orgasmus gelöscht. Ein Orgasmus jedoch, der durch Pornokonsum hervorgerufen wird, schüttet allerdings nicht die befriedigenden Endorphine aus und erlöscht somit nicht den Hunger. Somit befindet sich das Gehirn in einer Endlos-Schleife der Dopamin Sucht.

Was ich an dieser Stelle interessant finde ist, dass diese Schleife nicht unbedingt, wie vielleicht vermutet, zu MEHR Pornokonsum führen muss, sondern zu härteren und immer neueren (spezifischeren) Stoff. Dieses Verhalten hat, bei extremen Suchtverhalten, oft spezifische Fetische als Resultat.

Was Macht Sucht mit dem Gehirn?

Sucht, im Allgemeinen, verändert das Gehirn. Durch die vermehrte Abhängigkeit wird das Gehirn physiologisch umgebaut. Es kommt zu einem betäubten Befriedigungs-Empfinden, einer Hypersensibilität zur Pornografie, einer verminderten Fähigkeit des Gehirns, Signale auszusenden. Außerdem, auch irgendwie selbst-erklärend und dennoch wichtig zu erwähnen: Porno-Sucht führt zu einer verminderten Willenskraft. Das heißt, dass es dem Konsumenten auch immer schwerer fällt gegen sie anzukämpfen. Die Erregungspfade werden im Gehirn zu immer tiefer werdenden Kerben, weniger genutzte Pfade schwinden. Nach einiger Zeit, wird es immer schwieriger, auf einer „normalen“ Art und Weiser erregt  und befriedigt zu werden.

Pornos ≠ Sex

Es ist ein großer Fehler zu denken, dass Pornografie gleich Sex ist. Beide haben komplett andere Eigenschaften. Bei Sex geht es um Nähe, emotionale Verbundenheit, das berühren und das berührt werden, Interaktion und Intimität. Bei digitalem Pornokonsum gibt es keine Interaktion. Meistens spielt sich der Konsum alleine ab. Er zeichnet sich durch das Hetzen von einem Reiz zum nächsten aus. Es geht darum zu suchen, zu finden, vorzuspulen und zu klicken.

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Photo by Becca Tapert on Unsplash

Es ist wichtig, diesen Unterschied zu sehen. Denn oftmals sind es die Partner der Betroffenen die, die sich fragen, wo und ob sie nicht genug waren oder sind. Wenn wir aber auf diesen Unterschied schauen merken wir, dass es dem Pornoviewer gar nicht um dass Kompensieren des Partners geht, sondern vielmehr um sein eigenes Verlangen nach Befriedigung.

Pornografische Inhalte verzerren die wahre Intimität. Es wird ein Bild gemalt von einem Partner, der/die all meine Wünsche erfüllt. Dabei geht es im biblischen Bild der Liebe und Sexualität darum einander in Liebe zu dienen und nicht einzig allein darum, dass meine Bedürfnisse gestillt werden!

Wow, klingt alles erstmal ziemlich hart und aussichtslos. Kann das wohl ein gutes Ende haben? Ich glaube, dass es das kann!!! Denn derselbe Gott, der uns unsere Sexualität geschenkt hat, besitzt die Macht und uns dazu zu befähigen, mit ihr gut umzugehen. Ich glaube, dass dieser Kampf nur mit seiner Hilfe und in Gemeinschaft mit guten, vertrauenswürdigen Freunden gewonnen werden kann. Deshalb finde ich es so wichtig, dass man darüber reden kann!

Im ersten Artikel habe ich beschrieben, wie gerade am Anfang unserer Beziehung, mein Mann und ich beide damit kämpften. Mal ist man besser damit umgegangen und mal schlechter. Aber über die Jahre haben wir echt gemerkt, dass wir durch viel Gebet und viel Arbeit an einer wirklich ehrlichen und offenen Beziehung, heil werden durften. Wie gesagt, Versuchungen und manchmal auch Niederlagen sind immer noch da, aber es ist die Ehrlichkeit, die wir miteinander haben dürfen, die es einfacher macht, diese Versuchungen nicht zu einer Gewohnheit zu machen.

Sex ist etwas schönes! Pornografie nicht! Es ist wichtig, dass wir diesen Unterschied machen, denn da wo Sex im dunklen Schatten der vermeintlichen Sünde und der Unwissenheit umhüllt wird, da gibt es keine Freiheit, Probleme in diesem Bereich anzugehen. Ich bin der Meinung, dass dieser Bereich schon viel zu lange entweder verschwiegen wurde oder durch Verbote erdrückt wurde. Deshalb war es mir wichtig mit diesem Artikel kein weiteres Verbot auszusprechen, sondern dir Mut zu machen!

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Photo by Aditya Saxena on Unsplash

Gott meint es gut mit dir. Gott meint es gut mit deiner Sexualität. Schließlich hat Er sie erschaffen und Dir geschenkt! Er schuf die Ehe als einen sicheren Rahmen für unsere Sexualität, wo wir absolute Freiheit haben, sie miteinander und auf gleicher Augenhöhe auszuleben. Sex in diesem Rahmen dient der Verbindung zweier Menschen, näher als alle anderen Beziehungen um sie herum. Sex im Rahmen der Ehe bietet die Freiheit, physisch sowie emotional nackt vor einander sein zu können, wie auch wir – seelisch gesprochen –  nackt vor Gott sein dürfen, ohne Angst vor Verurteilung oder Scham haben zu müssen.

Nun fragen mich meine Single-Leser, wie sie denn damit umgehen sollen, wenn sie doch kein Rahmen haben, indem sie ihre Sexualität auszuleben können. Der Witz ist ja, dass es durch eine Partnerschaft nicht unbedingt einfacher wird der Pornografie oder Selbstbefriedigung zu widerstehen. Wenn das so wäre, dann würden nicht so viele verheiratete Männer und Frauen damit kämpfen.

Aber zu meinen Single-Lesern will ich sagen: Ja, es ist ein Kampf. Einer, der definitiv nicht immer einfach ist. Aber Ich glaube, wie in allem, müssen wir Leute haben, die uns beistehen und mit denen wir ehrlich darüber reden können. Wo man hingehen kann, wenn man struggelt und vor denen man ehrlich sein kann. Ich habe selbst meine Freundinnen, mit denen ich inzwischen auf diesem Gebiet auch immer freier reden kann. Vor ihnen kann ich mich verantworten, sie können mich ermutigen, mich stärken und für mich beten. Und ich, wiederum kann dasselbe auch für sie tun.

Wie ich praktisch gegen diese Versuchung ankämpfe, werde ich in einem anderen Blog-Post berichten.

Aber für heute heißt das Fazit: Es ist ein Kampf. Aber es ist ein Kampf, für den es sich lohnt zu kämpfen!! Zum Glück, musst du es aber nicht alleine machen, sondern Gott hat dir  viele tolle Leute ins Leben gestellt, mit denen du reden kannst, die bereit sind mit und für dich zu Kämpfen. Versucht werden wir immer wieder, das bedeutet aber nicht, dass wir nachgeben müssen und wieder auf die Suchtschleife reinfallen müssen.

Gott hat uns zur Freiheit berufen und Er ist es, der uns frei von Sünde macht!! „Ihr jedoch steht nicht mehr unter der Herrschaft eurer eigenen Natur, sondern unter der Herrschaft des Geistes, da ja, wie ich voraussetzte, Gottes Geist in euch wohnt.“ Römer 8, 9

Fühle dich gedrückt,

Carina

2 Gedanken zu „Pornografie: Männersache, oder? Teil 2“

  1. Guter Beitrag! Gut, dass du nicht mit Bibelstellen argumentiert hast, sondern alles eher die biologischen Prozesse beschrieben hast!

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