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Pornografie: Männersache, oder? Teil 1

Pornografie

Hey Ladies! (Und weil dieser Artikel einen unerwarteten Zuwachs an männlichen Lesern hat…) Hey Gentlemen!

Eine neue Woche, ein neuer Beitrag. In letzten Wochen habe ich über Identität, Fierceness, und was du tun kannst, um deine Sorgen überwinden, geschrieben. In den nächsten Wochen will ich ein bisschen spezifischer werden. Es kommt eine Themen-Reihe auf euch zu! Eine Reihe mit Themen die mich immer wieder selbst bewegen und beschäftigen!

Vorwarnung: Es wird hier ziemlich an die Substanz gehen, aber ich denke die eine oder andere von euch wird sich in einem, ein paar, oder in allen Artikeln wieder finden. Damit ich ein bisschen tiefer in die Materie einsteigen kann, muss ich auch genauer werden und nicht so an der Oberfläche kratzen. Das bedeutet, dass du dich manchmal nicht in allem wieder finden wirst. Aber meine Hoffnung ist es, das Gespräch anzufangen. Vielleicht hast du eine Freundin oder Bekannte, die mit diesen Sachen kämpft. Ich bin überzeugt, dass wir anfangen müssen, authentischer miteinander zu sein, um festzustellen, dass wir doch nicht so alleine in unseren Problemen sind, wie wir denken.

Dieser Artikel war extreme schwer für mich zu schreiben, denn es geht um ein sehr Tabuisiertes Thema (vor allem in Gemeinden). Aber seitdem Gott es mir aufs Herz gelegt hat, habe ich festgestellt, wie wenig ich selbst schon mal mit meinen Freundinnen über Pornografie geredet habe.

Aber Pornografie ist doch ein Thema für Männer. Nicht wahr? Falsch! Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, wie es – in Gemeinden – immer häufiger normal ist, dass Männer (Ehemänner, Pastoren, Jugendliche etc.) mit Pornografie kämpfen? Zum Glück! Zum Glück ist dieses Thema tatsächlich in letzten Jahren immer mehr ans Licht gerückt. Es werden Hilfestellungen, Seminare und Seelsorge angeboten, diese schädliche Versuchung zu bekämpfen. Aber was immer noch in den dunklen, eher versteckten Ecken der Gemeinden lungert ist, dass auch Frauen mit Pornografie kämpfen. Laut einer Statistik von Pornhub im Jahr 2017 war jeder 5. Besucher auf der Seite eine Frau. Eine andere Umfrage ergab sogar, dass 30% aller Konsumenten Frauen waren. Ich wage es mal zu sagen, dass ich bezweifele, dass darunter keine Christinnen sind.

Dieses Thema ist mit viel Scham behaftet. Wir denken oft ein Porno-Problem ist zu groß, zu eklig, zu unakzeptable und vor allem zu privat und persönlich um darüber zu reden. Weil Ich es extrem wichtig finde dieses Thema nicht unter den Teppich zu kehren, ist es mein Ziel mit diesem Artikel den Dialog zu eröffnen. Warum reden wir in Gemeinden oft so einseitig über „das Bedürfnis“ des Mannes geredet? Warum haben wir nicht Abende für Frauen wo wir uns über unsere Kämpfe in unserer Sexualität austauschen können? Warum sind wir nicht offener im Gespräch mit unseren Teenie-Mädels, gerade wenn – durch die Ära des Smartphones – sie (bzw. wir) auch immer schnelleren und einfacheren Zugang dazu haben?

Als ich zwölf Jahre alt war, bekamen wir von der Schule aus einen Laptop geliehen. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Sicherheitsbeschränkungen eingeschaltet. Als neugierige und pubertäre Teenagerin, mit einem Faible für Schnulzen, googelte ich erstmal nur das Wort „Kuss“. Eins führte zum anderen und plötzlich war ich mich ca. 13 Jahren in Pornos gefangen. Ich fühlte mich eklig, schuldig und vor allem allein, denn schließlich war dies ja ein Jungs-Problem.

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Photo by Ben Blennerhassett on Unsplash

Auf jeder Teenie Freizeit, auf die ich fuhr, „bekehrte“ ich mich wieder neu, unsicher, ob Gott mir diese Schuld vergeben konnte.Zum Glück wurde meine Schule im nächsten Jahr ein bisschen vorsichtiger und baute Sicherungen in die Laptops ein, was mir erstmal den Zugang erschwerte. So konnte ich zumindest etwas Abstand gewinnen, aber es war immer wieder etwas, womit kämpfte. Ich dachte, irgendwas stimmt mit mir nicht. Ich fühlte mich, als wäre ich, die Einzige in der Welt, die mit diesem Problem kämpfte.

Als ich mit zwanzig meinen jetzigen Mann kennenlernte, kamen wir sehr schnell darauf, dass wir beide mit Pornografie kämpften. Wir merkten, wie wenig dieses Thema in unserer Jugend behandelt worden wurde. Oftmals wurde es, aus Angst vor Peinlichkeit, schnell vom Tisch gekehrt. Ein guter Christ hat so etwas nicht anzuschauen. Aber was ist denn, wenn es schon zu spät ist? Wie geht man damit um? Wie kann, man Mitstreiter finden, wenn nicht darüber geredet wird?

Ich glaube, das ist die Nr. 1 Falle des Feindes. Er will, dass du dich in deiner sexuellen Sünde alleine fühlst. Es geht nur dir so. Warum bekommst du diesen Teil deines Lebens nicht in Griff? Er beschämt und verurteilt uns so sehr, damit wir darauf reinfallen, dass wenn wir sowas mit unseren Schwestern teilen, dass sie uns genau so behandeln werden, wie er es tut. Wir haben Angst uns blamieren und unser Gesicht zu verlieren. Wir fallen genau auf sein Spiel herein. Denn Sünde ist eine Schattenpflanze. Sie gedeiht am besten in dunklen Ecken, wo kein direktes Sonnenlicht hinkommt.

Dabei ist genau das Licht und Luft, im übertragenen Sinne, was uns in diesem Bereich am besten hilft. Wir brauchen die Gemeinschaften unserer Freundinnen, die uns im Gebet die Arme aufhalten, wenn wir mal nicht die Kraft dazu haben, diese Sünde zu bekämpfen. Es ist ein geistlicher Kampf, den es zu bekämpfen gilt! Denn, wenn wir die Sünde in unserem Leben versteckt halten, ist es einfacherer immer wieder rein zu rutschen. Es geht nicht darum, dich mit Scham und Schuld zuzuschütten. Sondern es geht darum diese Lebensbereiche mit vertrauten und liebevollen Händen anzugehen und die Wurzel zu entfernen! Dafür müssen wir uns vor einander verletzlich machen! Jordan Lee Dooley sagt:

„Freiheit ist darin gefunden verletzlich zu sein und verletzlich zu sein ist nur möglich durch die Freiheit die Christus uns gibt.“

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Photo by Rosie Fraser on Unsplash

Christus hat uns frei gemacht. Wir sind frei, ehrlich voreinander zu sein. Wir sind frei, selbst die unangenehmen Thematiken anzusprechen. Denn: „Wo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz; Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst.“ (1. Joh. 4,18)
Schwester, lass unser Leben ein Ort sein, in dem Gottes Liebe so sehr regiert, dass wir ehrlich miteinander sein können, dass wir uns angenommen wissen können. Lass unsere Freundschaften der Ort sein, an dem wir für einander im Gebet eintreten können, damit wir heil werden können. Lass uns mutig sein und Licht an diese dunklen Winkel unserer Lebens lassen. Denn da wo Licht an unsere Sünde kommt, verliert sie ihre Macht.

Das heißt nicht, dass das Problem mit der Pornografie nach ein oder zweimal beten, fertig bekämpft ist. Manchmal kämpfe ich heute noch damit. Aber da, wo wir immer wieder ehrlich zu und miteinander sein können, haben wir schon mehr als die Hälfte des Kampfes gewonnen!

Du bist niemals zu gefallen, zu dreckig, zu…. um vor Jesus zu treten. Denn Er hat dich reingewaschen! Du bist nicht alleine! „Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns so sehr geliebt hat.“ (Rom8,37)

Fühl dich gedrückt!

Carina

4 Gedanken zu „Pornografie: Männersache, oder? Teil 1“

  1. Liebe Carina, wow! Wie toll, vor allem der zweite Artikel hat mich berührt und ermutigt. Danke, dass du auch Singles angesprochen hat.

    1. Hi Veronica! Das freut mich voll, dass es dich angesprochen und ermutigt hat!! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst diesen Blog zu lesen! 🙂

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